Die Übernahme eines bestehenden Unternehmens kann ein sinnvoller Start in die Vollerwerbs-Selbstständigkeit sein. Sie können im Allgemeinen einen bestehenden Kundenstamm, das Inventar und einen eingerichteten Geschäftsbetrieb übernehmen.

Unternehmens-Übernahme

Für mich selber habe ich die vielleicht banale Regel aufgestellt: Wenn man ein Unternehmen kauft, das gut läuft, kann man natürlich mehr Geld als Kaufpreis auf den Tisch legen als für ein Unternehmen, das schlecht läuft.

Bei Unternehmen ist es oft so wie bei gebrauchten Häusern: Die Eigentümer haben sehr viel Arbeit und Geld investiert und haben eine völlig überzogene Vorstellung davon, was das Unternehmen wert ist. Schließlich muss der neue Eigentümer auch davon leben können und wird in der Regel zur gleichen Zeit einen Kredit für den Kaufpreis abzahlen müssen.

Zusätzlich gibt es wahrscheinlich einen Investitionsstau, denn die Alteigentümer werden im Bewusstsein des bevorstehenden Verkaufs wahrscheinlich in der Zeit vor der Abgabe nicht mehr viel investiert haben.

Trotzdem kann es sehr sinnvoll sein, ein bestehendes Unternehmen zu kaufen. Vieles hängt vom Kaufpreis ab.

Unternehmensbewertung

Risiken bei Unternehmens-ÜbernahmeDie Dreifachbelastung der neuen Eigentümer muss also bei der Ermittlung des Kaufpreises berücksichtigt werden.

Die Bewertung von Unternehmen ist natürlich ein weites Feld, und Sie sollten sich dabei gut beraten lassen. Aber ein paar Worte zu dem Thema möchte ich doch schreiben. In der Betriebswirtschaftslehre gibt es im Grunde zwei Bewertungsansätze für die Ermittlung des Unternehmenswertes, die in der Regel beide in den Preis einfließen werden:

Substanzwert

Welchen Wert haben die Vermögensgegenstände des Unternehmens heute? Da hilft ein Blick in die Bilanz und die Inventarliste, aber auch die dort angegebenen Werte müssen interpretiert werden:

Anlagevermögen

Dies sind z.B. Gebäude, Fahrzeuge, Computer, Maschinen. Wenn diese Dinge schon länger im Besitz des Unternehmens sind, kann es sein, dass sie mit einem Erinnerungswert von 1 Euro in der Bilanz stehen. Wenn sie aber zukünftig noch nutzbar sind und auch benutzt werden sollen, kann man sie bei der Ermittlung des Kaufpreises auch höher ansetzen.

Umgekehrt gibt es Vermögensgegenstände, die mit einem hohen Wert in der Bilanz stehen, aber zukünftig wertlos sind, weil Maschinen z.B. zu einem Produkt gehören, dass nicht mehr gefertigt wird. Diese Werte kann man vom Substanzwert abziehen.

Umlaufvermögen

Das Umlaufvermögen sind z.B. Forderungen an Kunden, Warenvorräte, Büromaterial, Treibstoff usw. Hier gilt im Prinzip das Gleiche wie beim Anlagevermögen: Der Bilanzwert gibt einen ersten Hinweis, muss aber kritisch überprüft werden, denn auch Warenvorräte können wertlos sein, wenn z.B. Lebensmittel nahe am Mindesthaltbarkeitsdatum sind oder Bücher aus alten Auflagen noch zum Anschaffungspreis bilanziert sind.

Ertragswert

Der Ertragswert ist der Wert der zukünftigen Erträge (Gewinne) aus dem Unternehmen z.B. über die nächsten vier Jahre, abgezinst auf den Stichtag der Übernahme.

Hier ist natürlich der Bewertungsspielraum praktisch unendlich: Der derzeitige Eigentümer wird die Zukunft des Unternehmens in blühenden Farben ausmalen, während der zukünftige Eigentümer auch die Risiken mit in die Bewertung einfließen lassen wird. Und der Kaufpreis hängt auch – gerade bei kleinen Unternehmen – davon ab, wie wichtig der Name und die Persönlichkeit des Eigentümers für die Fortführung sind.

Beim Ertragswert fließt zum Beispiel auch der Wert des Kundenstamms mit ein. Lassen Sie sich also eine Kundenliste zeigen, möglichst mit den getätigten Umsätzen der letzten Jahre. Wenn Sie Branchenkenntnis mitbringen, können Sie daraus schon einiges darüber sehen, wie das Unternehmen aufgestellt ist: Sind in der Kundenliste z.B. Unternehmen mit großen Umsätzen vertreten, die sich aktuell in einer Krise befinden? Gibt es Rahmenverträge mit Kunden, die zufällig gerade ausgelaufen sind?

Fördermittel

Es gibt verschiedene Fördermittel. Die bekanntesten sind wahrscheinlich die KfW-Kredite, die komplett über die Hausbank abgewickelt werden. Für die Hausbanken sind die KfW-Kredite kein besonders gutes Geschäft, wie ich gehört habe. Ich rate deshalb dazu, sich zunächst anderweitig zu informieren und beraten zu lassen und erst dann das Gespräch mit der Hausbank zu suchen.

Auch die Stadt Braunschweig und viele andere Städte haben kommunale Fördermittel im Angebot für Existenzgründer. Die genauen Bedingungen sollte man sich von der Wirtschaftsförderung erläutern lassen und genau durchlesen, bevor man den Businessplan aufstellt. Da können die Freiheitsgrade bei der Aufstellung des Businessplans eine entscheidende Rolle spielen, ob die Fördermittel fließen oder nicht.

Vor- und Nachteile einer Übernahme

Vorteile:

  • Übernahme einer Marke oder eines bekannten Firmennamens und des damit verbundenen „Kundenvertrauens“, dadurch schnelleres Umsatzwachstum möglich
  • Neue und alte Kunden finden das Unternehmen wegen bekannter Telefonnummer und Adresse
  • Übernahme des Kundenstammes
  • Übernahme von Inventar (Büroausstattung, Maschinen, Lagerbestand, Fahrzeuge) oft zu günstigen Konditionen möglich
  • Keine oder begrenzte Anlaufphase
  • Eventuell Übernahme eines eingespielten Mitarbeiterteams

Nachteile

  • Möglicherweise Übernahme von versteckten „Altlasten“ aller Art: Gewährleistungsansprüche, Umweltsünden, uneinbringliche Forderungen, …
  • Vorhandene Mitarbeiter gewöhnen sich nicht an neue Leitung
  • Möglicherweise negatives Image bei manchen potenziellen Kunden
  • Kaufpreis muss finanziert werden

Marktwachstum

Der relevante Markt muss nicht notwendigerweise stark wachsen: Sie können auch auf stagnierenden und sogar schrumpfenden Märkten erfolgreich sein, wenn Sie Wettbewerbsvorteile gegenüber den etablierten Anbietern haben, z.B.

  • Nachhaltige Kostenvorteile durch ein anderes, innovatives Geschäftsmodell, das schwer zu kopieren ist
  • Höherer Kundennutzen z.B. durch besseren Service oder bessere Qualität
  • Schnellere Lieferzeiten

Eine alte Marketingregel sagt, dass es auf wachsenden Märkten in der Regel einfacher ist, sich zu etablieren, da die Wettbewerber sich das Wachstum teilen. Der Verdrängungswettbewerb auf stagnierenden Märkten geht in der Regel zu Lasten der Gewinne durch Preiswettbewerb. Aber wenn Sie einen entscheidenden und nachhaltigen Kostenvorteil durch ein innovatives Geschäftsmodell gegenüber den etablierten Anbietern haben, warum nicht auf einen stagnierenden Markt eintreten? So ist schließlich der ganze online-Handel groß geworden.

Ganz entscheidend ist, dass Sie Geld mit Ihrem Geschäft verdienen und nicht nur umwechseln: So ist schließlich der größte online-Händler der Welt, Amazon, auch heute noch nicht in der Gewinnzone. Was tun, wenn Sie feststellen, dass Ihr geplantes Unternehmen keinen Gewinn abwerfen wird? Wenn Sie kein Internet-Startup gründen und dann schnell an Google oder Facebook verkaufen wollen, sollten Sie sich nochmal kritisch mit Ihrer Idee auseinandersetzen und das Konzept nachschärfen, wie es so schon im Beraterdeutsch heißt.

Einzelunternehmen oder Franchise

Eine Faustregel besagt, dass ca. 80% aller Unternehmensgründungen innerhalb der ersten Jahre scheitern und nur 20% mittelfristig erfolgreich sind.

Bei Franchise-Unternehmen ist es genau anders herum: 80% sind erfolgreich, 20% scheitern. Auch wenn Sie nicht unbedingt die Unternehmen von anderen Franchisenehmern zu 100% kopieren werden, können Sie sicherlich viele Details, Abläufe, Werbemittel und Produkte übernehmen oder bekommen sie vom Franchisegeber geliefert. Und natürlich ist eine gute Marke für das Marketing einfach unschlagbar.

Gründungscoaching

Sie können in vielen Fällen ein öffentlich gefördertes Gründungscoaching in Anspruch nehmen. Informieren Sie sich hierzu am besten auf der Website der KfW, bei der Wirtschaftsförderung bzw. bei Ihrem zuständigen Vermittler bei der Agentur für Arbeit.

Fazit

Sie können das Risiko der Selbstständigkeit mindern, indem Sie

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