Schade, liebe Fußballerinnen!

Frau-Nationalmannschaft FIFA WM 2011 Wolfsburg

 

Wirklich schade, dass unsere Fußballdamen im Viertelfinale der Weltmeisterschaft ausgeschieden sind. Wahrscheinlich hatten die meisten Zuschauer – so auch ich – einen Durchmarsch ins Finale erwartet.

Neben den fußballerischen Schwächen, die ohne Zweifel vorhanden waren, lastete natürlich auch ein enormer Erwartungsdruck auf den Frauen. Spiele im Frauenfußball werden normalerweise von einigen Hardcorefans, sowie friends and family der Spielerinnen besucht. Plötzlich sind die Spiele ausverkauft und kommen zur besten Sendezeit im Fernsehen.

Wir sehen hier, dass zum FußballSTAR mehr gehört, als den Ball richtig zu treffen. Die Stars müssen auch mit dem Druck der Öffentlichkeit und mit manchen unfairen Kommentaren fertig werden. Der mentale Zustand von Birgit Prinz hat vor einem halben Jahr sicherlich nur eine Minderheit der Öffentlichkeit interessiert. Und plötzlich ist er der Aufmacher auf Seite 1 der Zeitungen. Kein Wunder, dass sie das nicht aushält und auf dem Platz unter ihrem Leistungsvermögen bleibt.

Was hat das Ganze mit Coaching zu tun?

Meine Beobachtung ist, dass auch im Berufsleben Erfahrung und damit eine langsame Gewöhnung an neue Aufgaben hilfreich sind, um das „Abheben“ zu vermeiden. Wenn einem Kollegen zum ersten Mal Personalverantwortung anvertraut wird, sollten es eben nur fünf Mitarbeiter sein und nicht gleich fünfundzwanzig.

Die Fußballfrauen haben jetzt eine riesige Chance gehabt, sich vor dem eigenen Publikum zu profilieren, aber auch ein großes Risiko zu scheitern. Und unter einem solchen immensen, plötzlich auftretenden Druck habe ich auch in meiner eigenen beruflichen Umgebung schon Menschen Dinge tun sehen, die für mich nur durch das Unvermögen zu erklären sind, mit dem Druck der Öffentlichkeit und der neuen großen Verantwortung umzugehen.

Um langfristig große Dinge zu vollbringen ist neben der Perfektionierung der technischen Fähigkeiten (Fußball, Bäckerhandwerk, …) auch die Weiterbildung der soft skills erforderlich. Sicher (hoffe ich zumindest) haben die Fußballfrauen auch mentales Training erfahren, aber ein langsamer Aufbau des Drucks der Öffentlichkeit wäre sicher den Spielergebnissen zuträglich gewesen. Manchmal ist ein Sprung ins kalte Wasser nicht zu vermeiden, aber es ist ein Unterschied, ob wir aus einem Meter oder zwanzig Metern springen.

Ich hoffe sehr, dass dem Frauenfußball jetzt dauerhaft mehr öffentliches Interesse entgegen gebracht wird und die Frauen bei den nächsten Spielen zeigen können, was in ihnen steckt.

Peinlich, peinlich: Ballacks Abschied aus der Nationalmannschaft

Der peinliche Streit um den erzwungenen Abschied von Michael Ballack aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist sehr lehrreich für unseren betrieblichen Alltag.

Was war geschehen? Joachim Löw hatte entscheiden, dass Michael Ballack nicht mehr für die National-Mannschaft aufgestellt wird. Als Dank für die erfolgreiche Zusammenarbeit sollte er ein letztes Spiel als Kapitän der Mannschaft gegen Brasilien bestreiten. Michael Ballack lehnte ab und bezichtigte Löw im Gegenzug der Scheinheiligkeit und der Lüge.

War diese Reaktion professionell? Meiner Ansicht nach, nein. Eine reine Trotzreaktion eines beleidigten Spielers. Ich hätte an seiner Stelle wahrscheinlich auch das Abschiedsspiel nicht mehr gemacht. Nach mehr als einem Jahr Abwesenheit aus der Nationalmannschaft hat sich das Team der Nationalmannschaft weiter entwickelt. Ballack passt dort nicht mehr hinein und deshalb wäre das Spiel sicher eine ziemlich peinliche Veranstaltung geworden. Aber die Art, wie er abgesagt hat, hat ihn beschädigt und eine für alle peinliche Situation geschaffen.

Die beste Art des Abschieds aus dem Nationalteam für Ballack wäre sicher gewesen, spätestens im Frühjahr 2011 von sich aus – proaktiv – den Rücktritt aus der Nationalmannschaft zu verkünden. Wenn Löw ihn seit einem Jahr nicht mehr aufgestellt hat, hätte er das wohl sowieso nicht mehr getan. Die zweitbeste Lösung wäre aus meiner Sicht gewesen, bei Bekanntgabe der Entscheidung Löws – zumindest öffentlich – den Mund zu halten und die Einladung zum Abschiedsspiel höflich dankend abzulehnen.

Eine öffentliche Schlammschlacht kann nur zu Gesichtsverlust führen, der niemandem nützt. Eine alte Geschäftsweisheit lautet, dass man sich immer zweimal im Leben trifft.